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Persönlichkeitspsychologischer Ansatz nach Hans Eysenck

Autorenbild: Bianca KrausBianca Kraus

Hans Eysenck entwarf das sog. PEN-Modell, welches zum Teil der Temperamentenlehre und der Persönlichkeitstypologie von Jung ähnelt.[1] Aus dem PEN-Modell, welches aus vier Quadranten besteht, lassen sich drei Dimensionen ableiten:

1. Psychotizismus vs. Anpassung

- aggressiv und asozial bzw. freundlich und rücksichtsvoll

2. Extraversion vs. Introversion

- nach außen bzw. nach innen orientiert

3. Neurotizismus vs. emotionale Stabilität

- emotional instabil (=labil) bzw. emotional stabil

Wie in Abbildung 1 ersichtlich ist, kombinierte Eysenck die Dimensionen der Extraversion und des Neurotizismus, um eine kreisförmige Anordnung zu erhalten. In diesem Kreis können Menschen auf einem bestimmten Platz lokalisiert werden. Ein Mensch kann von sehr introvertiert bis sehr extravertiert und von sehr instabil (auch neurotisch oder labil genannt) bis sehr stabil eingeordnet werden. Die Eigenschaften, welche im Kreis dargestellt sind, beschreiben Menschen mit einer Kombination der jeweiligen betroffenen Dimensionen. Beispielsweise ist eine introvertierte Person, die auch emotional instabil ist, mit großer Wahrscheinlichkeit zurückhaltend.[2]

Jeder Persönlichkeitsdimension schrieb Eysenck Wesensmerkmale zu, die er aus der Temperamentenlehre übernahm. Die Dimension der Extraversion verbindete er mit den Temperamenten cholerisch und sanguinisch. Die Dimension der Introversion wurde mit den Temperamenten melancholisch und phlegmatisch verbunden.[3]



Abbildung 1: Pen-Modell nach Eysenck[4]

Weder ein bestimmter Typus noch eine der dazugehörigen Eigenschaften sind richtig oder falsch bzw. gut oder schlecht. Bei einer in das Extrem tendierender Eigenschaft bzw. Typen kann es zwar zu zwischenmenschlichen Schwierigkeiten kommen, jedoch sind diese nicht unüberwindbar.[5]

Laut Eysencks formen seine drei Persönlichkeitstypen die Grundstruktur der Persönlichkeit eines Menschen. Zur Messung der Typen entwickelte er ein Instrument, den sog. Eysenck Personality Questionnaire (kurz EPQ).[6]

Bedeutung des Modells in der Gegenwart

Eysenck benutzte sein PEN-Modell um Zusammenhänge zwischen der Persönlichkeit eines Menschen und dessen verschiedenen sozialen Verhaltensweisen zu erforschen. Hierzu zählten beispielsweise Forschungen zur Kriminalität, der politischen Einstellung, zum Drogenkonsum und des Sexualverhaltens.[7]In den letzten 45 Jahren fanden zahlreiche Studien statt, die die Gültigkeit von Eysencks Theorie bestätigten und bis heute in der Literatur wiedergegeben werden. Vor allem die Dimensionen Extraversion und Neurotizismus haben sich als gute und reliable psychometrische Maße erwiesen. Die Dimension des Psychotizismus steht hingegen wegen geringer Reliabilität immer wieder in der Kritik[8] und man geht davon aus, dass diese als Persönlichkeitskonstrukt fehlspezifiziert wurde. Andere Forschungen lieferten das Ergebnis, dass der Zusammenhang zwischen dem PEN-Modell und dem sozialen Verhalten als inkonsistent gilt.[9]

Trotz, den aus der Forschung hervorgehenden positiven Belegen der Dimensionen Extraversion und Neurotizismus, hat sich in den letzten Jahren der Konsens herausgebildet, dass das Fünf-Faktoren-Modell von McCrae und Costa (auch „Big Five“ genannt), am besten geeignet ist, um die Persönlichkeitsstruktur zu beschreiben.[10]

Verbreitete Persönlichkeitstypologie in der Arbeitswelt und deren Anwendbarkeit in der Aus- und Weiterbildung

Eine verbreitete Persönlichkeitstypologie in der Arbeitswelt wäre die Extraversion. Extravertierte Menschen weisen u. a. Persönlichkeitseigenschaften wie Gesprächigkeit, Direktheit, Geselligkeit, Dominanz und Bestimmtheit auf. Sie mögen andere Menschen, sind sehr kontaktfreudig und generell sehr aktiv und dynamisch. Die Dimension Extraversion befindet sich in der Mitte zwischen Dominanz und Herzlichkeit und steht deswegen in einer positiven Korrelation zum Machtmotiv.[11] Das bedeutet, dass Extraversion vor allem in Führungspositionen eine bedeutsame Rolle einnimmt.[12]

Personen in Führungspositionen setzen vor allem Tests ein, die zwei Ziele verfolgen. Zum einen sollen sie der optimalen Besetzung von Stellen dienen, zum anderen soll es den bereits bestehenden Führungskräften dabei helfen, ihre Kommunikation individuell auf die verschiedenen Persönlichkeitstypen in ihrem Unternehmen anzupassen. Dadurch kann die Führungskraft ihre Mitarbeiter besser motivieren, Konflikte vermeiden und die Zusammenarbeit fördern. Ein bekannter Test im Management ist der sog. Myers-Briggs-Typenindikator.[13]

Wenn eine Führungskraft schon längere Zeit ihren Beruf ausübt, gehen die offenen und realistischen Feedbacks in Bezug auf ihr eigenes Verhalten immer mehr zurück. Es kann zum Missverhältnis zwischen dem Selbstbild der Führungsperson und der Beurteilung von anderen Personen kommen. Hierfür sollte ein Coaching durchgeführt werden, um mögliche Diskrepanzen zu klären und möglichen Unstimmigkeiten vorzubeugen.[14]

[1] Vgl. Seel & Hanke (2015), S. 381 [2] Vgl. Gerrig (2016), S. 508 [3] Vgl. Seel/Hanke (2015), S. 381 [4] http://lexikon.stangl.eu/120/persoenlichkeit-nach-eysenck/, 10.12.2017 [5] Vgl. Eysenck/Wilson (1976), S. 26 [6] Vgl. Maltby et al. (2011), S. 315 [7] Vgl. Stemmler et al. (2016), S. 293 [8] Vgl. Maltby et al. (2011), S. 316 [9] Vgl. Stemmler et al. (2016), S. 293 [10] Vgl. Gerrig (2016), S. 508 [11] Vgl. Furtner/Baldegger (2016), S. 11-12 [12] Vgl. Furtner/Baldegger (2016), S. 14 [13] Vgl. Tewes (2015), S. 69 [14] Vgl. Becker (2014), S. 92

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