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Motivation und Volition

Autorenbild: Bianca KrausBianca Kraus

Das Rubikon-Modell und die Begriffe Motivation und Volition

Heckhausen entwickelte das sog. Rubikon-Modell der Handlungsphasen, in welchem erklärt wird, wie durch eine Handlungsabsicht eine tatsächliche Handlungsausführung entsteht. Das Modell beschreibt in vier aufeinander aufbauenden Phasen die Schritte eines Menschen von der Abwägungsphase seiner momentanen vorhandenen Ziele, über die Planungsphase konkreter Strategien, wie das Ziel erreicht werden soll, bis hin zur Durchführung dieser Strategien und schlussendlich zur Bewertung des Zielendergebnisses. In jeder dieser Handlungsphasen stosst der Handelnde auf andere Aufgaben die er zu bewältigen hat, um die nächste Phase zu erreichen und so an sein Ziel zu gelangen.[1]

Das Rubikon-Modell unterscheidet je zwei motivationale und volitionale Handlungsphasen, und stellt somit eine Verbindung zwischen den Themengebieten der Motivation und Volition her. In der Motivationsforschung geht es primär um die Bildung von Intentionen. Darunter versteht man das Abwägen von Gründen, etwas zu tun oder nicht zu tun. In der Volitionsforschung hingegen bilden konkrete Handlungsausführungen den zentralen Kernpunkt.[2]

Wie in Abbildung 1 ersichtlich ist, werden die Phasen des Abwägens und des Bewertens unter motivational eingestuft, da es bei beiden um die Einschätzung der Wünschbarkeit und Erreichbarkeit von Zielen geht. Die Phasen des Planens und Handelns werden unter volitional eingestuft, da der Schwerpunkt in diesen bei der Realisierung von Absichten liegt.[3]

Abbildung 1: Rubikonmodell der Handlungsphasen (Quelle: Faude-Koivisto/Gollwitzer (2009), S. 209)


1. Die prädezisionale Motivationsphase bzw. das Abwägen

Menschen haben in der Regel immer mehrere Wünsche und Anliegen auf einmal, welche sie gerne realisieren möchten. In der prädezisionalen Motivationsphase geht es darum, dass sich die Person dafür entscheiden muss, welche seiner Wünsche wirklich Prioritäten für ihn haben und welchen er dann tatsächlich in die Tat umsetzen will. Dafür ist es notwendig, die subjektive Wünschbarkeit und Realisierbarkeit der verschiedenartigen Wünsche zu vergleichen. Hierfür werden positive und negative Konsequenzen, als auch unmittelbare und langfristige Folgen mit der Realisierung des Wunsches in Relation gebracht. Durch das immer intensivere Abwägen steigt die Realisierung eines bestimmten Wunsches immer mehr an, bis es zu einer Fazittendenz, und dann schlussendlich, zu einer Zielintention eines Wunsches kommt.

Das bedeutet, dass aus dem einstigen Wunsch die Umwandlung in ein Ziel erfolgt. An dieser Stelle spricht man auch von der Überschreitung des Rubikons. Dadurch entwickelt der Handelnde ein Gefühl der Entschlossenheit und Verpflichtung, dieses Ziel wirklich zu verfolgen und anzustreben. Mit der Überschreitung des Rubikons kommt man von der prädezisionalen Phase in der präaktionalen Volitionsphase an.[4]

2. Präaktionale Volitionsphase bzw. das Planen

Da es in der Regel nicht möglich ist, seine gesetzten Ziele sofort zu erreichen oder umzusetzen, kommt es immer wieder zu Warteperioden. Diese werden dazu genutzt, geeignete zielfördernde Massnahmen zu entwickeln, die, zum geeigneten Zeitpunkt, zur gewünschten Zielerreichung führen. Es werden sog. Durchführungsintentionen oder Vorsätze gebildet, die dann in den erforderten Situationen eingesetzt werden sollen. Vor allem sollen diese helfen Realisierungsschwierigkeiten, kritische Zeiten und vorstellbare Hindernisse zu überwinden. Die Planungsphase ist abgeschlossen, wenn es zur konkreten Intentionsinitiierung des Handelnden kommt.[5]


3. Aktionale Volitionsphase bzw. das Handeln

In der aktionalen Phase versucht der Handelnde sein Ziel durch seine, in der präaktionalen Phase geplanten Handlungen, in die Tat umzusetzen. Es kommt zur Intensionsrealisierung. In dieser Phase ist die Volitionsstärke von grosser Bedeutung. Sie entscheidet darüber, wie sehr sich der Handelnde anstrengt, sein Ziel konsequent zu verfolgen. Die Phase ist geprägt von einer Anstrengungssteigerung, welche durch Handlungsschwierigkeiten hervorgerufen wird. Durch eine reaktive Anstrengungsbereitschaft, soll der Handelnde eine Zusatzvolition entwickeln, die es ihm ermöglicht sein Ziel ausdauernd zu verfolgen. Wird dies erfolgreich bewältigt, geht man zur postaktionalen Motivationsphase über.[6]


4. Postaktionale Motivationsphase bzw. das Bewerten

In der letzten Phase kommt es zur Bewertung des Handlungsergebnisses. Hier sind mehrere Ausgangslagen möglich. Wenn der Handelnde mit dem Zielergebnis zufrieden ist, kommt es zur Intentionsdeaktivierung des Zieles. Damit wurde das Ziel so erreicht, wie er es geplant hat und kann es abschliessen.

Ist jedoch eine Unzufriedenheit beim Abschluss des Zieles die Folge, wird entweder das Anspruchsniveau gesenkt und erst folgedessen eine Zieldeaktivierung vorgenommen oder der Handelnde bleibt standhaft bei seinem Ziel, und plant neue Handlungen, um dieses wie geplant zu erreichen.[7]

[1] Vgl. Achtziger/Gollwitzer (2018), S. 357-358 [2] Vgl. Niegemann et al. (2004), S. 220 [3] Vgl. Goschke (2017), S. 265 [4] Vgl. Achtziger /Gollwitzer (2018), S. 358-359; Goschke (2017), S. 265 [5] Vgl. Achtziger /Gollwitzer (2018), S. 359-360; Goschke (2017), S. 265 [6] Vgl. Achtziger /Gollwitzer (2018), S. 360; Goschke (2017), S. 265 [7] Vgl. Achtziger /Gollwitzer (2018), S. 360-361; Goschke (2017), S. 265

 
 
 

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