Bandura definierte 1977 die Selbstwirksamkeit im Rahmen seines Ansatzes der Sozialkognitiven Theorie.[1] Er versteht unter Selbstwirksamkeit, dass eine Person ein bestimmtes Verhalten ausführen kann, um dadurch ein gewünschtes Ergebnis bzw. Ziel zu erreichen. Wichtig dabei ist, dass die Person stark davon überzeugt ist, dieses bestimmte Verhalten auch wirklich durchführen zu können.
Selbstwirksamkeit ist nach Bandura deshalb so wichtig, weil sie auf den Prozess der Verhaltensproduktion und Verhaltensregulation starken Einfluss nimmt. Sie bestimmt im Wesentlichen darüber, mit welchen Aktivitäten eine Person probiert ihr Verhalten durchzuführen, mit welcher Intensität diese verfolgt werden, welche Ansprüche sie an ihre Leistungsfähigkeit stellt, welches Know-How dafür erworben wird und mit welchem Erfolg die vorhandenen Kompetenzen umgesetzt werden.[2]
Menschen mit ausreichender Selbstwirksamkeit setzen sich immer wieder höhere Ziele im Leben, strengen sich bei der Zielerreichung mehr an und geben bei Schwierigkeiten und Hindernissen nicht so schnell auf, wie Menschen mit einer weniger ausgeprägten Selbstwirksamkeit.[3] Dies zeigt, dass sich eine gute Selbstwirksamkeit auch auf Einflussfaktoren wie der Motivation und der Leistungserbringung auswirkt.[4]Auch von Rückschlägen und Misserfolgen erholen sich selbstwirksame Personen schneller.[5]
Wenn eine Person unter Selbstzweifeln leidet, deutet dies auf mangelnde Selbstwirksamkeitserwartungen hin. Es lassen sich dadurch vorhandene Fähigkeiten des Einzelnen nicht richtig entfalten und die Person bleibt dadurch hinter ihren Möglichkeiten. Somit hängen Leistungserbringungen nicht nur von den Fähigkeiten eines Menschen ab, sondern auch von der positiven Erwartungshaltung einer Person, dass sie ihre Fähigkeiten mit Erfolg umsetzen kann.
Nach Bandura lassen sich Selbstwirksamkeitserwartungen nach drei Aspekten unterscheiden:
1. Die Schwierigkeitsstufe des auszuführenden Verhaltens
2. Die Größe des Verhaltensbereiches, auf den sich die Erwartung bezieht
3. Die Stärke der Ausprägung[6]
Quellen der Selbstwirksamkeit
Bandura unterscheidet die folgenden vier Quellen zur Förderung und zum Aufbau der Selbstwirksamkeit:
1. Quelle: Erfolgreiche Ausführung einer Handlung
Die erste und somit stärkste Quelle sind die sog. mastery experiences. Darunter versteht man, dass eine Person, eine von sich erhoffte Handlung erfolgreich ausführen kann.[7] Dieses Wissen wird gestärkt, indem beispielsweise eine gefürchtete Situation überwunden und gut gemeistert wurde. Eine Person bekommt dadurch eine subjektive Sicherheit, dass sie über die entsprechende Fähigkeit verfügt. Wichtig ist aber, dass der Erfolg der Person aus eigener Hand gelungen ist, und dies nicht dem Zufall oder der Hilfe anderer Personen zugeschrieben wird.[8]
2. Quelle: Stellvertretende Erfahrung
Die zweite Quelle ist die stellvertretende Erfahrung, welche mit dem sog. „Modell-Lernen“ einhergeht. Darunter versteht man, dass durch die Beobachtungen eines sog. „Modells“, Schlussfolgerungen auf die eigene Person gezogen werden können.[9] Personen suchen sich vor allem solche „Modelle“ aus, die der eigenen Person als ähnlich wahrgenommen werden. Dadurch wird z.B. der Satz „Wenn die das kann, dann schaffe ich das auch“ verstärkt und als Ansporn benutzt, um sein Ziel zu erreichen.[10] Das Modell-Lernen beeinflusst somit die Selbstwirksamkeit der beobachtenden Person.[11]
3. Quelle: symbolische Erfahrung
Die dritte Quelle stellt die symbolische Erfahrung dar. Hier wird die Selbstwirksamkeit durch Zuspruch von anderen Personen gestärkt, indem diese der Person zutrauen, ein bestimmtes Verhalten durchführen zu können. Beispielsweise könnte die Stärkung der Selbstwirksamkeit durch den Satz „Du schaffst das schon“ mobilisiert werden.
Ein weiterer Schritt wäre es noch, wenn der Person nicht nur gut zugeredet wird, sondern ihr auch die Gelegenheit gegeben wird, das gewünschte Verhalten auch ausführen zu können.
4. Quelle: Emotionale Erregung
Die letzte Quelle der Selbstwirksamkeit nennt sich emotionale Erregung. Personen schließen hier aus ihrer emotionalen Reaktion, in einer kritischen Situation, auf ihre Kompetenz. Wenn eine Person beispielsweise eine belastende Situation ruhig und gelassen angeht, dann hat dies positive Auswirkungen auf ihre Selbstwirksamkeit. Ist die Person hingegen aufgeregt und vernimmt ein starkes Herzklopfen, hat dies negative Auswirkungen auf ihre Selbstwirksamkeit.[12]
Die vier Quellen der Selbstwirksamkeit unterscheiden sich in der Einflussstärke auf die Selbstwirksamkeit. Die Quelle der persönlichen Erfahrungen ist die stärkste und einflussreichste Quelle. Die Quelle der emotionalen Erregung ist die schwächste Quelle.[13]
Weshalb ist Selbstwirksamkeit für das Erstellen einer Bachelor-Thesis wichtig?
Menschen stoßen im Laufe ihres Lebens immer wieder auf Hindernisse, die sie zu bewältigen haben. Manche dieser Hürden scheinen für den einen oder anderen unüberwindbar. In solchen Situationen ist es für den Menschen wichtig zu erkennen, dass die eigenen Überzeugungen die Grundlage für den eigenen Erfolg bzw. Misserfolg sind. Für die Leistungsfähigkeit sind weniger die natürlichen Grenzen, sondern vielmehr die psychischen Blockaden verantwortlich.
Das Schreiben einer Bachelor-Thesis ist eine große Herausforderung im Leben eines Menschen. Eine hohe Selbstwirksamkeit ist in diesem Bezug deshalb so wichtig, da es den Erfolg des Schreibens und das dafür benötigte Verhalten steuert. Eine Bachelor-Thesis zu schreiben erfordert eine erhebliche Kraft an Durchhaltevermögen und Konzentration. Durch eine hohe Selbstwirksamkeit ist dieses Verhalten sehr gut auszuführen. Der Mensch vertraut auf seine Fähigkeiten und beweist dadurch ein längeres Durchhaltevermögen, verliert nicht so schnell die Hoffnung und gibt auch nicht so schnell auf, wenn ihm beim Schreiben Hindernisse oder Probleme in den Weg kommen oder er beim Recherchieren für die Literatur länger Zeit braucht.
Eine Person mit niedriger Selbstwirksamkeit hätte diesbezüglich schwierigere Probleme, da Sie schneller aufgibt und sich weniger zutraut.[14]
Beispiele
Folgend werden an den vier Quellen der Selbstwirksamkeit veranschaulicht, wie diese sich jeweils positiv auf die Selbstwirksamkeit einer Studentin auswirken können, die gerade an ihrer Bachelor-Thesis schreibt.
1. Quelle: Erfolgreiche Ausführung einer Handlung
Da in diesem Beispiel eine Bachelor-Thesis geschrieben wird, wird davon ausgegangen, dass die Studentin in den letzten Jahren schon mehrere Hausarbeiten und Einsendeaufgaben positiv bestanden hat und schon einige Übung im Umgang mit wissenschaftlichen Arbeiten besitzt. Da die Studentin weiß, dass Sie schon so viele Aufgaben für das Studium erfolgreich bewältigt hat und dies nun der Abschluss dafür ist, hat sie dadurch ein starkes subjektives Sicherheitsgefühl. Durch ihre bisherigen Erfahrungen weiß Sie, dass Sie die Fähigkeit besitzt, die Bachelor-Thesis positiv zu bestehen.
2. Quelle: der stellvertretenden Erfahrung
Die Studentin sucht sich ein ihr ähnliches „Modell“ aus, wie z.B. eine Masterstudentin, die gerade vor zwei Monaten ihre Bachelorarbeit erfolgreich beendet hat. Die Masterstudentin erzählt der Bachelorstudentin mit welchen Hindernissen sie in der Zeit gekämpft hat und wie sie diese bewältigte. Der Studentin wird dadurch bewusst, dass auch ihr ähnliche Personen, gleiche Probleme bewältigt haben. Dies motiviert Sie weiter zu machen und zu erkennen, dass andere Personen ihre Hürden auch bewältigt haben. Sie kann eine große Lehreffektivität für sich erzielen und ihre Selbstwirksamkeit wird gesteigert. Voraussetzung ist, dass Sie ihre eigenen Ressourcen richtig wahrnehmen kann und sich bewusst ist, dass Sie sich auch Nahziele setzen muss. Unter Nahziele versteht man, dass sich die Studentin kurzfristig erreichbare Ziele setzt, wie z.B. das Schreiben von zehn Seiten der Bachelorarbeit bis Ende des Monats. Durch Erreichen der Nahziele wird sogleich auch die Selbstwirksamkeit immer mehr gestärkt.
3. Quelle: Symbolische Erfahrung
Die Studentin bekommt hier Zuspruch, von ihr nahestehenden oder bekannten Personen, wie z.B. „Du kannst es“ oder „Du schaffst das“. Diese Selbstwirksamkeitsquelle kann die Selbstwirksamkeit der Studentin steigern, jedoch nicht auf lange Sicht. Verbale Stärkungen kommen eher in Zeiten zu Gute, wo die Studentin erhöhte Motivation braucht oder demotiviert scheint. Auch Rückschläge können so verhindert werden. Wichtig ist, dass eine solche Überredung von Personen kommt, die Autorität ausstrahlt, wie z.B. von einem Professor, sehr guten Freund oder einem Elternteil.
4. Quelle: Emotionale Erregung
Die Studentin könnte beispielsweise bei der Bearbeitung ihrer Bachelorarbeit Euphorie empfinden, weil Sie weiß, dass Sie in naher Zukunft mit ihrer Arbeit fertig sein wird. Diese Auswirkung ist zwar die schwächste von allen, gibt Ihr aber Informationen über die eigenen Kompetenzen, was wiederum ihre Selbstwirksamkeit fördert.[15]
[1] Vgl. Rammsayer/Weber (2016), S. 97 [2] Vgl. Rammsayer/Weber (2016), S. 100 [3] Vgl. Knoll et al. (2017), S. 29 [4] Vgl. Rammsayer/Weber (2016), S. 100 [5] Vgl. Knoll et al. (2017), S. 29 [6] Vgl. Rammsayer & Weber (2016), S. 100-101 [7] Vgl. Knoll et al. (2017), S. 29 [8] Vgl. Rammsayer & Weber (2016), S. 102 [9] Vgl. Knoll et al. (2017), S. 29 [10] Vgl. Rammsayer/Weber (2016), S. 102 [11] Vgl. Knoll et al. (2017), S. 29 [12] Vgl. Rammsayer/Weber (2016), S. 102 [13] Vgl. Knoll et al. (2017), S. 30 [14] Vgl. Heintze (2016): S. 141-142 [15] Vgl. Jerusalem & Hopf (2002): S. 43-45
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